Person:Otto von Bismarck (1)

Otto von Bismarck
d.30 July 1898
Facts and Events
Name Otto von Bismarck
Alt Name Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen
Gender Male
Birth[2] 1 Apr 1815 Altmark, Westpreußen, Preußen, Germany
Education[2] Universität Göttingen
Residence[2] Pomerania childhood
Death? 30 July 1898
References
  1.   Wikipedia: The Free Encyclopedia.
  2. 2.0 2.1 2.2 Daytoner Volks Zeitung (Dayton, Ohio). Gedenk-Blatter, 1894-1904. (Salt Lake City, Utah: Genealogical Society of Utah, 1992).

    Otto von Bismarck
    “Bismarck it todt!” – Erschütternd wirkte die Kunde allüberall, wo Deutsche wohnen, als am vergangenen Sonnntag Morgen bekannt wurde, daß in der Nacht vorher der Schöpfer des neuen deutschen Reiches für immer die Augen geschlossen habe. Wohl hatte man sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß auch „der Scmied vom deutschen Reich“ dem Allbezwinger seinen Tribut zollen müsse, aber nur schwer wollte man den Mann missen, in dem die ganze Größe und Macht der deutschen Nation verk war.
    Jetzt, da das Unabänderliche eingetreten, geht tiefe schmerzliche Trauer durch das deutsche Volk im Reich und in der Fremde. Man fühlt nur zu wohl die Größe des Verlustes, welchen das Deutschthum erlitten. Der treue Ektehard des Reiches, der muthige Berater aller Deutschen, auch in den Tagen, da er nicht mehr am Ruder des Staatschiffes stand, ist nicht mehr, er hat die Augen für immer geschlossen! So klingt die Klage durch die Landen und findet ihren Widerhall in Wort und Schrift.
    Eithel Mühe wäre es, die nationale Bedeutung seiner Thaten, seine Größe als Staatsmann noch weiter rühmen und preisen zu wollen. Sie sind verkörpert in den Worten „ Das neue deutche Reich“ und sind auf ewige Zeiten eingetragen in den ehernen Tafeln der Geschichte; sie leben fort in dem dankbaren Angedenken seiner Volksgenossen.
    Otto v. Bismarck wurde am 1. April 1815 in der Altmark geboren auf dem väterlichen Stammgute Schönhausen. Der Vater, Ferdinand von B., war ein einfacher Landedelmann und derber Offizier, während seine Mutter eine bürgerliche, feingebildete Frau war, die Tochter des Berliner Kabinetsrathes Menken. Otto verlebte die ersten Jahre seiner Kindheit auf dem väterlichen Gute in Pommern, besuchte von 1821 bis 1827 das Blamann’sche Institut, 1827 bis 1830 das Friedrich Wilhelm’sche Gymnasium, 1830 bis 1832 das graue Kloster in Berlin und bezog Ostern 1832 die Universität Göttingen, auf der er Jura studierte. Kam 1836 als Referendar an die Regierung zu Aachen und wurde nach dem Tode seines Vaters Deichhauptmann und Abgeordneter der Ritterschaft des Kreises Jericho, als welcher er das Königthum gegen die Ansichten und Forderungen der Liberalen vertheidigte und sich zur ultra-conservativen Junker-Partei bekannte. Im Mai 1851 wurde er zum Sekretär der preußischen Landschaft beim Bundestag in Frankfurt a. M. und später zum Gesandten beim Bundestag ernannt. In Frankfurt erkannte er die Schwächen des Bundestages und den Neid und die Eifersucht Oesterreichs auf Preußen. 1859, als der Krieg zwischen Frankreich und Sardinien einerseits und Oesterreich andererseits in Aussicht war, glaubte er den Zeitpunkt für Preußens Entfaltung in Deutschland gekommen, ward jedoch abberufen und zum Gesandten in St. Petersburg ernannt. Drei Jahre später ging er als Gesandter nach Paris und noch im selben Jahre wurde er zum Minister des Aeußeren und Ministerpräsidenten ernannt.
    Selten hat ein Staatsmann die Leitung der Politik seines Vaterlandes unter schwierigeren Verhältnissen unternommen. Im Verein mit dem König übernahm er die Reorganisation des Heeres und betonte die Nothwendigkeit einer starken Rüstung Preußens, da die großen Fragen der Zeit nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern durch Blut und Eisen gelöst werden müßten --- daher sein Name. Das Abgeordnetenhaus widersetzte sich ihm jedoch, worauf er erklärte, den Staatshaushalt ohne Finanzgesetz zu führen. In diesem Conflikte zwischen Regierungs –und Volksvetretung war die ganze liberale Presse gegen ihn und er, wie er selbst sagte, der bestgehaßte Mann seiner Zeit. Seine Politik war, Oesterreich‘s Schwerpunkt außerhalb Deutschlands nach Ofen zu verlegen. In der nach dem Tode Friedrichs des VII. von Dänemark wieder auftauchenden Schleswig-Holsteinischen Frage wußte er ein Einvernehmen mit Oesterreich zu erzielen.
    Als durch den Gasteiner Vertrag 1865 Schleswig an Preußen, und Holstein an Oesterreich überwiesen war, wurde er in den Grafenstand erhoben. Der Krieg der beiden bisherigen Bundesgenossen um die Herzogthümer was aber nur aufgeschoben. Der Verfassungskampf entbrannte von Neuem, trotzdem traf er seine Vorkehrungen für den bevorstehenden Krieg, sicherte sich die Neutralität Napoleons, schloß mit Italien ein Bündniß gegen Oesterreich und suchte die Hilfe der Mittelstaaten zu erwirken. In diese Zeit fällt das Attentat Ferdinand Kohn’s, des Stiefsohnes von Blind (Ferdinand Cohen-Blind). Im Juni beschloß die Bundesversammlung auf Oesterreichs Antrag die Mobilmachung gegen Preußen, worauf die Kriegserklärung an Oesterreich erfolgte. Wie der Krieg mit Oesterreich verlief, ist bekannt. Dem Frieden mit dem äußeren Feind war die Beilegung des Verfassungskampfes im Inneren vorausgegangen. Im Jahre 1867 wurde Schleswig-Holstein preußisch, nachdem schon Ende 1866 der Norddeutsche Bund gegründet worden war.
    Für seine Erfolge erhielt Bismarck eine Dotation, die er zum Ankaufe der Herrschaft Varzin in Hinterpommern verwandte. Im Juni 1867 wurde er Kanzler des Norddeutschen Bundes. Der Sieg Preußens hatte die Eitelkeit Frankreichs auf’s Aergste verletzt. Napoleon war weder vom besiegeten Oesterreich noch dem siegreichen Preußen nach Wunsch belohnt worden; in dem Norddeutschen Bund erblickte er einen mächtiben Rivalen und benützte die Luxemburger Frage, um einen Krieg anzuzetteln, was ihm aber nicht gelang. Während Frankreich eine mangelhafte Kriegsbereitschft behielt, arbeiteten Bismarck und Molke vereint darauf hin, Preußens Armee kriegsbereit zu machen. Im April 1868 gründete und eröffnete er das Zoll-Parlament, um die partikularistischen Bestrebungen zu beseitigen. Unterdessen unterhandelte Napoleon im Geheimen mit Oesterreich und Italien wegen eines gemeinschaftlichen Angriffs auf Deutschland. 1870 glaubte Napoleon vollständig gerüstet zu sein, um endlich den Kampf mit Deutschland aufnehmen zu können. Den Vorwand gab die Candidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern auf den spanischen Thron. Am Abend des 15. Juli 1870 wurde der Befehl zur Mobilmachung erlassen und 4 Tage später die französische Kriegserklärung übergeben. Die Nachricht von den Vorgängen in Ems traf Bismarck in der Stille des Landlebens; er reiste sofort nach Berlin, wo er mit dem König zusammentraf. Er begleitete Letzteren in den Krieg, und es war ihm vorbehalten, die ersten Unterhandlungen mit dem gefangenen französischen Kaiser zu pflegen.
    Am selben Tage, an welchem König Wilhelm zum deutschen Kaiser ausgerufen wurde, wurde er zum deutschen Reichskanzler ernannt, und im März 1871 in den Fürstenstand erhoben. Außerdem erhielt er eine Dotation in Geld und eine große Domaine in Lauenburg im Sachsenwald.
    Nach dem deutsch-französischen Kriege wurde Bismarck von dem Kulturkampf in Anpruch genommen, den er mit der ganzen ihm eigenthümlichen Kraft und Energie führte. Am 13. Juli 1874 machte ein fanatischer Böttchergeselle, Kullmann, in Kissingen einen Mordanfall auf ihn. Durch seine auftreibende Thätigkeit wurde seine Gesundheit so erschüttert, daß er sich 21. November 1872 bis 1873 vom preußischen Ministerpräsidium entbinden und 1878 eine geregelte Stellvertretung eintreten ließ. Seine Erholung suchte er in Varzin und Friedrichsruhe, im Sommer gebrauchte er die Bäder in Kissingen.
    Er unternahm immer neue Aufgaben. Sein Reichseisenbahnprojekt scheiterte. Dafür setzte er die allmählige Verstaatlichung der Eisenbahn in Preußen durch. Im Jahre 1879 inaugurirte er die neue Zoll-und Wirthschaftspolitik, in deren Verfolgung er mit den Nationalliberalen brach und, um das Centrum zu gewinnen, den Kulturkampf aufhören ließ. Auch übernahm er der wirthschaftlichen Reformen wegen das Handelsministerium. An die neue Zollgesetzgebung, durch die dem Reiche neue Einnahmen geschaffen wurden, schlossen sich soziale Reformen, welche durch Befriedigung der berechtigen Forderungen der Arbeiter dieselben vor der Sozialdemokratie bewahren sollten. Er trug kein Bedenken, die Spaltung und Schwächung der liberalen Parteien zu förden, um sich eine conservative Mehrheit im Reichstag zu schaffen. Die Fortschrittspartei verhielt sich schroff und Bismarck mußte sich auf das Centrum stützen, das manche Zugeständnisse erlangte. Nur mit Mühe wurden das Krankenkasse-, das Unfallversicherung- und das Invalidenversicherungsgesetz im Reichstag duchgesetzt, das Tabaksmonopol aber abgelehnt und nur eine hohe Branntweinsteuer bewilligt.
    Die auswärtige Politik leitete Bismarck nach wie vor mit großer Meisterschaft und wurde ihm von der Nation vollstes Vertrauen entgegengebracht. Erhaltung des Friedens war sein Ziel. Seine Bemühungen wurden dadurch anerkannt, daß nach dem russisch-türkischen Kriege Berlin zum Sitz des Friedenscongresses und er zum Präsidenten desselben erwählt wurde.
    Von Rußland wendet er sich mehr und mehr ab und Oesterreich zu, mit dem er 1879 ein Schutzbündniß schloß, das 1883 erneuert wurde. Italien trat demselben bei, so daß der sogenannte “Dreibund” zum Schutze des europäischen Friedens entstand. In 1884 unternahm es Bismarck deutsche Colonien zu erwerben; den Widerstand Englands wuße er mit großer diplomatischer Kunst zu beseitigen. Seine Colonialpolitik fand im Volke mächtigen Widerhall. Der 70jährige Geburtstag Bismarcks wurde daher am 1. April 1885 unter glänzenden Ovationen gefeiert, der Tag wurde zum allgemeinen Volksfest. Aus der gesammelten „Bismarckspende“ (2,750,000 Mark) wurde das verloren gegangene Stammgut Bismarcks, Schönhausen, gekauft und ihm geschenkt; den Rest bestimmte Bismarck zu einer Stiftung für Candidaten des höheren Lehramts. Nach Auflösung des Reichstages wegen Ablehnung des Septennats trug er 1887 bei den Neuwahlen einen glänzenden Sieg davon; die endlich erlangte conservativ-nationale Mehrheit bewilligte nach einer äußerst wirksamen Rede, in der er das berühmte Wort sprach: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts auf der Welt,“ alle Forderungen für die erhöhte Wehrkraft des Reichs. Nach dem Tode Kaiser Wilhelms II. trat ein Zwiespalt ein über die Haltung gegen Rußland und England wie über die innere Politik. Der Kaiser ließ das Socialistengsetz fallen, ein Streit über die Rechte des preußischen Ministerpräsidenten entstand und führte zur Entlasung des Kanzler am 20. März 1890. Er wurde zum Herzog von Lauenburg und zum Generalobersten der Cavallerie ernannt. Seine Abreise nach Friedrichsruh erfolgte am 29, März und führte zu einem gewaltigen Ausdrucke der tiefen Bewegung, die das Ereigniß in der Bevölkerung erregt hatte.
    In den letzten acht Jahren lebte Bismarck als Privatmann, meist auf seiner Besitzung im Sachsenwalde wohnend. Wiederholt empfing er Vertreter der ausländischen und deutschen Presse in Friedensruhe, wo ihm von allen Seiten bei jeder Gelegenheit die glänzendsten Ovationen dargebracht wurden und wo auch seine Aussöhnung mit dem Kaiser erfolgte. Am 30. April 1891 wurde er in den Reichstag gewählt, hat aber an den Sitzungen auf Wunsch der Aerzte und seiner Familie nicht Theil genommen. Friedlich und ohne sichtbaren Todeskampf ist „der Schmied vom deutschen Reich“ am Samstag, den 30. Juli 1898, auf seinem historisch berühmt gewordene Schlosse entschlafen. Den ganzen Tag über stritt die eiserne Konstitution des Fürsten gegen den nahenden Tod. Es war ein gewaltiges Ringen des 85jährigen Riesen gegen den Allbezwinger Tod; nach und nach ließen die Kräfte des Patienten nach und wenige Minuten vor 11 Uhr Nachts that Bismarck den letzten Atemzug. Er war kurz bis vor seinem Ende bei vollem Bewußtsein und verfiel in einen tiefen Schlaf, aus dem er nicht wieder erwachen sollte.
    Fürst Bismarck hat schriftliche Anordnungen bezüglich seines Begrägnisses hinterlaßen. Er wünscht an einem bestimmten Platze im Sachsenwald beerdigt zu werden. Die Grabschrift soll außer dem Datum der Geburt und des Todes nur die Worte enthalten: „Ein treuer Deutscher und Diener Kaiser Wilhelm I.“ An jener Stelle wird ein einfaches Mausoleum errichtet werden, in dem auch die Leiche von Bismarck’s Gattin, die in Varzin begraben ist, Platz finden wird. Bis zur Vollendung des Mausoleums werden sich die Begräbnißzeremonien auf die Einsegnung der Leiche beschränken.
    Bismarck übte einen großen Einfluß auf die Geschichte der deutschen Nation aus, trotzdem er von seiner amtlichen Thätigkeit zurückgetreten war. Es gab manchmal Zeiten, wo selbst der Kaiser seinen Rath nachsuchen ließ. Das deutsche Volk sah in ihm bis zuletzt den bedeutendsten Mann des Reiches. Sein Wort hatte Gewicht und wurde mit der größten Achtung vernommen. Es unterliegt kein Zweifel, daß der privatisirende Bismarck vom Volke mehr verehrt wurde, als der amtirende Staatsmann. Die Sympathie des Volkes wendete sich ihm vom Tage seines Rücktrittes an, voll und ganz zu. Das Familienleben des Fürsten war ein schönes, hier zeigte er sich als Mensch von der besten Seite. Zwei Söhne und eine Tochter überleben ihn, nämlich Herbert und Wilhelm Bismarck und die Gräfin von Ranßau. Seine Gattin verlor er vor einigen Jahren, und ihr Tod ging dem sich immer mehr vereinsamt fühlenden Greis tief zu Herzen. Ueber das Ableben Bismarcks aber kann das deutsche Volk sage: „Des deutschen Waldes stärkste Eiche ist gefallen.“